Espresso vs. Lungo – Was ist der Unterschied?
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Espresso vs Lungo – Was ist der Unterschied?
Viele Kaffeetrinker denken, dass ein Lungo einfach ein größerer Espresso ist.
Auf vielen Maschinen gibt es sogar eine Taste mit Espresso und Lungo, wodurch es so aussieht, als ginge es nur darum, mehr Wasser durch denselben Kaffee laufen zu lassen.
Technisch gesehen ist es jedoch viel nuancierter.
Betrachtet man Extraktion, Mahlgrad, Verhältnis und Geschmack, erweisen sich Espresso und Lungo als zwei verschiedene Arten, Kaffee zu extrahieren.
In diesem Blog erklären wir Schritt für Schritt:
- was genau ein Espresso ist
- was ein Lungo ist
- warum der Mahlgrad oft anders sein muss
- warum ein Lungo bitter werden kann
- wie man beides korrekt an der Espressomaschine einstellt
Was ist ein Espresso?
Ein Espresso ist eine konzentrierte Extraktion von Kaffee unter Druck.
Wasser von etwa 92-96°C wird mit ca. 9 bar Druck durch einen kompakten Puck aus gemahlenem Kaffee gepresst.
Baristas arbeiten dabei fast immer mit drei festen Parametern:
Input – Output – Zeit
Zum Beispiel:
| Parameter | Beispiel |
|---|---|
| Input | 18 Gramm gemahlener Kaffee |
| Output | 54 Gramm Espresso |
| Zeit | 25 – 30 Sekunden |
Dies wird als 1:3-Verhältnis bezeichnet:
18 Gramm Kaffee → 54 Gramm Getränk.
Dieses Verhältnis sorgt meist für:
- Balance zwischen Süße, Säure und Bitterkeit
- ausreichenden Körper
- einen konzentrierten Geschmack
Der Mahlgrad wird so eingestellt, dass dieses Verhältnis innerhalb von etwa 25 bis 30 Sekunden erreicht wird.
Was ist ein Lungo?
Das Wort Lungo kommt aus dem Italienischen und bedeutet wörtlich:
„lang“
Ein Lungo entsteht, wenn mehr Wasser durch dieselbe Menge Kaffee läuft.
Zum Beispiel:
| Parameter | Beispiel |
|---|---|
| Input | 18 Gramm |
| Output | ±72 Gramm |
| Verhältnis | 1:4 |
| Zeit | ±30–35 Sek |
Hier wird also mehr Volumen extrahiert.
Das Ergebnis:
- eine größere Tasse Kaffee
- leichterer Körper
- oft mehr Bitterstoffe
Häufiges Missverständnis: Kaffee „verbrennt“
Manchmal wird angenommen, dass ein Lungo bitter wird, weil der Kaffee während der Extraktion verbrennt.
Das stimmt technisch nicht.
Beim Brühen von Espresso findet keine Verbrennung statt.
Was passiert, ist Überextraktion.
Die Extraktion verläuft grob in drei Phasen:
- Säuren
- Zucker
- Bitterstoffe
Wenn Wasser zu lange durch den Puck läuft, werden immer mehr Bitterstoffe gelöst.
Deshalb kann ein Lungo manchmal trockener und bitterer schmecken.
Warum der Mahlgrad für einen Lungo oft gröber sein muss
Hier kommt ein wichtiges technisches Detail.
Wenn man einen Lungo mit genau demselben Mahlgrad wie einen Espresso zubereitet, muss das Wasser länger durch den Puck laufen, um mehr Volumen zu erhalten.
Zum Beispiel:
18 Gramm → 90 Gramm → 60 Sekunden.
Dann bekommt man fast immer:
- Überextraktion
- dünnen Körper
- bittere Geschmacksnoten
Deshalb verwenden viele Baristas einen etwas gröberen Mahlgrad für einen Lungo.
Gröberer Mahlgrad bedeutet:
- weniger Widerstand im Puck
- Wasser fließt leichter
- mehr Volumen ohne extrem lange Extraktionszeit
Espresso-Verhältnis vs. Lungo-Verhältnis
Wenn Espresso mit einem 1:3-Verhältnis zubereitet wird, sieht der Unterschied ungefähr so aus:
| Getränk | Input | Verhältnis | Output |
|---|---|---|---|
| Espresso | 18 g | 1:3 | 54 g |
| Lungo | 18 g | 1:4 | ±72 g |
Die Extraktionszeit bleibt relativ ähnlich, meistens:
- Espresso: 25–30 Sek
- Lungo: 30–35 Sek
Der Unterschied liegt also hauptsächlich in:
- dem Mahlgrad
- der Wassermenge
Warum viele Cafés keinen Lungo servieren
In vielen Spezialitätenkaffeehäusern wird ein Lungo kaum verwendet.
Der Grund:
das Risiko der Überextraktion ist ziemlich groß.
Deshalb wählen Baristas oft ein anderes Getränk:
Americano
Das ist einfach:
- ein korrekter Espresso
- ergänzt mit heißem Wasser
Vorteile:
- Espresso bleibt korrekt extrahiert
- Geschmack bleibt ausgewogen
- weniger Bitterkeit
Warum ein Lungo oft weniger stark ist, als man denkt
Ein häufiges Missverständnis:
„Ein Lungo ist stärker, weil mehr Kaffee darin ist.“
In Wirklichkeit passiert oft das Gegenteil.
Da mehr Wasser hinzugefügt wird, wird der Kaffee:
- stärker verdünnt
- weniger intensiv pro Schluck
Obwohl etwas mehr Stoffe extrahiert werden, ist die Geschmackskonzentration geringer.
Schritt-für-Schritt-Anleitung – So bereiten Sie einen guten Espresso und Lungo zu
Espresso zubereiten
- Wiegen Sie 18 Gramm Kaffeebohnen
- Mahlen Sie den Kaffee fein
- Dosieren Sie ihn in den Siebträger
- Tampen Sie gleichmäßig
- Starten Sie die Extraktion
- Stoppen Sie bei etwa 54 Gramm Output
- Zielzeit: 25–30 Sekunden
Lungo zubereiten
- Verwenden Sie erneut 18 Gramm Kaffee
- Stellen Sie die Mühle etwas gröber ein
- Dosieren und tampen Sie wie beim Espresso
- Starten Sie die Extraktion
- Lassen Sie sie bis ±72 Gramm durchlaufen
- Zielzeit: 30–35 Sekunden
Kontrollieren Sie danach:
- Geschmacksbalance
- Bitterkeit
- Körper
Passen Sie den Mahlgrad bei Bedarf an.
Fazit
Der Unterschied zwischen einem Espresso und einem Lungo liegt nicht nur in der Kaffeemenge in der Tasse, sondern vor allem in Extraktion und Mahlgrad.
Ein Espresso arbeitet oft mit einem Verhältnis um 1:3, zum Beispiel:
18 Gramm Kaffee → 54 Gramm Espresso.
Ein Lungo verwendet mehr Wasser, zum Beispiel 1:4, wodurch die Tasse größer wird:
18 Gramm → ±72 Gramm.
Um zu verhindern, dass der Kaffee bitter wird, ist es wichtig, dass der Mahlgrad etwas gröber ist als beim Espresso. So kann das Wasser leichter durch den Puck laufen und die Extraktion bleibt besser im Gleichgewicht.
Wer einen großen Kaffee ohne zusätzliche Bitterkeit wünscht, wählt in vielen Cafés übrigens einen Americano: einen Espresso mit heißem Wasser.
Doch wenn Mahlgrad und Verhältnis gut abgestimmt sind, kann auch ein Lungo ein ausgewogener und angenehmer Kaffeestil sein.
FAQ – Espresso vs. Lungo
Was ist der Unterschied zwischen einem Espresso und einem Lungo?
Ein Espresso ist eine konzentrierte Kaffeezubereitung, bei der heißes Wasser unter Druck durch feingemahlenen Kaffee gepresst wird.
Zum Beispiel:
- 18 Gramm Kaffee rein
- 54 Gramm Espresso raus
- 25–30 Sekunden Extraktion
Ein Lungo verwendet dieselbe Kaffeemenge, aber es wird mehr Wasser durch den Puck extrahiert.
Zum Beispiel:
- 18 Gramm Kaffee
- ±72 Gramm Getränk
- ungefähr 30–35 Sekunden
Dadurch wird das Getränk größer, leichter und oft etwas bitterer als Espresso.
Warum wird ein Lungo manchmal bitter?
Ein Lungo kann bitter werden, weil mehr Extraktion stattfindet.
Während der Kaffee-Extraktion lösen sich verschiedene Stoffe auf:
- Säuren
- Zucker
- Bitterstoffe
Wenn Wasser zu lange durch den Kaffee läuft, werden mehr Bitterstoffe extrahiert. Deshalb ist es wichtig, bei einem Lungo den Mahlgrad etwas gröber einzustellen, damit die Extraktionszeit nicht extrem lang wird.
Braucht ein Lungo einen anderen Mahlgrad als Espresso?
Ja, meistens schon.
Da mehr Wasser durch den Puck laufen muss, ist ein etwas gröberer Mahlgrad oft besser.
Dies sorgt dafür, dass:
- das Wasser leichter durch den Kaffee fließt
- die Extraktionszeit nicht zu lang wird
- der Kaffee weniger bitter wird
Beim Espresso verwendet man meistens einen feineren Mahlgrad.
Ist ein Lungo stärker als ein Espresso?
Viele Leute denken, dass ein Lungo stärker ist, weil mehr Kaffee in der Tasse ist.
In Wirklichkeit ist der Geschmack oft weniger konzentriert, da das Getränk mehr Wasser enthält.
Ein Espresso ist also meistens intensiverer Kaffee pro Schluck.
Was ist der Unterschied zwischen einem Lungo und einem Americano?
Ein Lungo entsteht, indem mehr Wasser durch den Kaffee selbst extrahiert wird.
Ein Americano wird hergestellt, indem:
- zuerst ein Espresso zubereitet wird
- danach heißes Wasser hinzugefügt wird
Da der Espresso korrekt extrahiert bleibt, hat ein Americano oft weniger Bitterkeit als ein Lungo.